Finanzielle Bildung für Kinder

23 einfache Ideen, wie du deinem Kind finanzielle Bildung vermittelst, ohne es zu Tode zu langweilen

„Kinder ohne finanzielle Bildung werden ihr Leben im Hamsterrad verbringen. Auf die Schule ist kein Verlass. Die finanzielle Bildung deiner Kinder musst du übernehmen.“ Auszug aus „Bali oder Bochum“ von Madame Moneypenny

Doch wie können wir unsere Kinder schon von klein auf finanziell bilden?

Deine Herangehensweise sollte sowohl auf das Alter des Kindes als auch auf das Interessengebiet deines Kindes abgestimmt sein. Dein Kita-Kind profitiert nicht von einem Kurs über Derivate und einen 10-jährigen Comicfan wirst du nicht mit einem Wertpapiersparplan begeistern können.

Für eine kindgerechte Finanzbildung braucht es weder lange Gähn-Vorträge noch Hypnosetechniken. In diesem Artikel erfährst du anhand von 25 einfachen Ideen, wie du dein Kind im Alltag spielend leicht finanziell bilden kannst.

#1 Das Sparschwein füttern

Sparen - finanzielle Bildung

Das Sparschwein ist für Kinder oft der erste Zugang zum eigenen Geld und dem Thema Sparen. Wie jedes Haustier will aber natürlich auch das Sparschwein regelmäßig gefüttert werden. Es sollte deshalb – wie das tägliche Zähneputzen – zu einem Ritual werden. Was hält dein Kind z. B. davon, die Hälfte des Taschengelds monatlich an das Sparschwein zu verfüttern oder nur das Kleingeld auszugeben und alle Scheine zu sparen?

 

#2 Bezahle dich zuerst selbst

„Pay yourself first!“ meint, dass man einen festgelegten Betrag erst für sich selbst zurücklegt, bevor andere Ausgaben bezahlt werden. Im Falle der Kinder werden zwar keine Rechnungen fällig, die sie bezahlen müssen, allerdings haben auch sie mehr oder weniger regelmäßige Konsumausgaben, z. B. für ihr Handy, Kino, Süßigkeiten, Spielsachen … Wenn dein Kind etwas kauft, füllt es die Taschen anderer Menschen. Nur mit dem Sparbetrag, den es für sich selbst zurücklegt, füllt es seine eigenen Taschen.

Schon kleine Kinder können mit dieser positiven Einstellung lernen, zuerst einen Betrag für sich selbst zurückzulegen. Denn finanziell für sich selbst zu sorgen, stärkt den Selbstwert deines Kindes: Dadurch profitiert es später wirtschaftlich und persönlich.

#3 Neue Spielsachen nicht selbstverständlich kaufen

Wir lieben unsere Kinder so sehr, dass wir ihnen am liebsten die ganze Welt kaufen würden. Aber profitieren sie wirklich davon, wenn wir ihnen alle materiellen Wünsche erfüllen?

Wenn mein Kind sich ein neues Spielzeug wünscht, sortieren wir zuerst etwas Altes aus. Das kommt nicht einfach in den Müll, sondern wir stellen es bei Ebay ein oder gehen auf Flohmärkte. Finden wir nichts zum Aussortieren, der Wunsch nach etwas Neuem ist aber dennoch sehr groß, können wir bei befreundeten Familien Spielsachen ausleihen oder mit ihnen tauschen.

Oft zeigt sich aber auch, dass das neuste Puppen-Traumhaus, das mein Kind gerade unbedingt glaubt haben zu müssen, nur eine flüchtige Idee ist. Um herauszufinden, was sich meine Kinder wirklich wünschen, schreiben wir eine Liste, auf der die Geschenkewünsche bis zum nächsten Geburtstag, Ostern oder Weihnachten vermerkt werden. Du wirst staunen, wie viele Wünsche sich bis dahin schon wieder erledigt haben.

Selbst bei uns Erwachsenen sind Wünsche sehr impulsiv und erledigen sich oft innerhalb weniger Tage von selbst. Legen wir die Liste dann zur Seite und blicken ein paar Wochen später wieder darauf, können wir über uns oft nur den Kopf schütteln.

#4 Finanzielle Bildungsmöglichkeiten im Alltag nutzen

Für viele sind Gesprächstermine, bei denen es um Geld geht, mit angespannten Schultern oder nassen Händen verbunden – weil wir nie gelernt haben, offen über Geld zu sprechen.

Damit mein Kind später ganz entspannt seine Finanzplanung in die eigene Hand nehmen kann, nehme ich es ganz selbstverständlich mit auf Flohmarktverkäufe, zu Gesprächen mit meinem Steuerberater, Terminen mit dem Finanzamt, Anwaltstreffen oder Bankgespräche. Umso früher es bei solchen Gesprächen anwesend ist, desto mehr erlebt es: Finanzen sind kein sagenumwobenes Geheimnis, sondern etwas, das man lernen kann und worum es sich zu kümmern lohnt.

Dadurch verlieren Kinder nicht nur die Scheu vor offiziellen Terminen, sie erleben dich auch als finanzielles Vorbild und lernen ganz nebenbei den Umgang mit eigenem Geld.

#5 Finanzielle Intelligenz spielerisch stärken

Der Grundstein für finanzielle Bildung wird schon sehr früh gelegt. Uns Eltern kommt deshalb die Aufgabe zu, Kinder darin zu unterstützen, den Umgang mit Geld spielerisch zu lernen. Dabei dürfen sie auch Fehler machen. Wir sollten sie darin bestärken, sich auszuprobieren: lieber heute im Kleinen Fehler machen als später z. B. die sehr schmerzhafte Lektion lernen, die Kreditraten für das Eigenheim nicht zahlen zu können. Denn an Fehlern wachsen wir.

Eine Möglichkeit, sich dem Thema spielerisch zu nähern, bietet das Geld- und Finanzspiel Cashflow für Kids von Robert Kiyosaki*.

Ich setze immer wieder neue Anreize, dass sich meine Kinder so früh wie möglich mit dem Investieren auseinandersetzen. Aktuell suche ich einige Aktien von Spielzeug-Unternehmen heraus und schenke sie meinem Sohn demnächst. Dazu erkläre ich ihm, dass ihn das zum Bestimmer macht, da er mit den Aktien einen Teil des Unternehmens hält. Umso mehr Aktien er hält, desto mehr darf er bestimmen.

„Investiere zuerst in Bildung. In Wirklichkeit ist das der einzige wirkliche Vermögenswert, den wir besitzen, der Verstand, das mächtigste Werkzeug, das wir besitzen“ (Robert Kiyosaki in: Rich Dad, Poor Dad).

#6 Nur das Taschengeld zahlen

Mithilfe ihres Taschengelds lernen Kinder, selbstständig mit Geld umzugehen. Gebe ich am Anfang des Monats alles für Süßigkeiten aus, kann ich mir den Rest des Monats nichts mehr kaufen. Dieser Lerneffekt tritt allerdings nur ein, wenn wir unseren Kindern nicht immer wieder Geld nachschießen, sobald ihnen ein Wunsch in den Sinn kommt. Denn dann lernen sie nicht, selbstverantwortlich zu handeln, sondern sich blind auf andere zu verlassen. Spätestens wenn die Kinder groß werden und selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen müssen, kann diese Einstellung fatal sein. Eltern, Großeltern und spätere Arbeitgeber oder der Staat können nicht alle finanziellen Eskapaden auffangen.

Statt dem Kind durch unsere Großzügigkeit etwas Gutes zu tun, erschweren wir ihm also seinen Weg zu einem finanziell unabhängigen und glücklichen Leben. Nur wer selbst bei finanziellen Engpässen aktiv werden muss, lernt, seine finanzielle Intelligenz auszubilden. Das beginnt schon beim Taschengeld.

#7 Die eigenen Glaubenssätze überprüfen

Nicht immer treffen wir Entscheidungen rational. Oft bewegen uns fest verankerte Glaubenssätze und Überzeugungen, auf bestimmte Weise zu handeln. Manche Glaubenssätze werden sogar von Generation zu Generation in einer Familie oder der Gesellschaft unbemerkt weitergegeben.

Typische negative Glaubenssätze in Bezug auf Finanzen lauten: „Mein Mann kümmert sich um die Finanzen. Ich kann das nicht“, „Wir werden niemals reich sein“, „Man muss bescheiden leben, um ein guter Mensch zu sein“, „Über Geld spricht man nicht“.

Unterbricht eine Generation diesen Kreislauf nicht, geht er immer weiter. Wir haben deshalb die Aufgabe, bestimmte Einstellungen zu reflektieren und an unseren Glaubenssätzen zu arbeiten. Unsere Kinder werden können diese Glaubenssätze dann hinter sich lassen.

#8 Über Geld sprechen

In den Medien wird mehr über Sex geredet als über Geld! Trotzdem war es noch nie so einfach, an Informationen darüber heranzukommen. Denn in unserer Informationsgesellschaft finden sich echte Schätze zum Thema finanzielle Bildung. Wie wäre es, anstatt niedlicher Baby- und Katzenbilder zwischendurch auch mal lesenswerte Finanzartikel zu teilen? Ich gehe gleich mit gutem Beispiel voran: zendepot.de – Sparen fürs Kind.

Finanzielle Bildung können wir uns jederzeit aus YouTube-Kanälen und Blogs zugänglich machen. Und für alle, die weiter ins Thema einsteigen wollen, gibt es eine Reihe hilfreicher Finanzbücher:

Je vielfältiger, desto besser! Lass uns das geballte Finanzwissen nutzen und an unsere Kinder weitergeben! Denn wenn Kinder merken, dass wir offen über Geld sprechen, werden auch sie das Thema als ganz natürlich annehmen und sich z. B. trauen, Fragen zu stellen.

Es war noch nie so einfach an Informationen heran zu kommen. Lasst uns das nutzen und an unsere Kindern weitergeben!

#9 Auf Formulierungen achten

„Das werden wir uns niemals leisten können!“ – „Das ist zu teuer für uns!“ – „Du kannst im Leben nicht alles haben!“

Kennst du diese Sätze aus deiner eigenen Kindheit? Und kennen deine Kinder diese Sätze auch von dir? Dann ist es Zeit, an deiner Kommunikation zu arbeiten. Rede mit deinen Kindern ungezwungen und ehrlich über Geld. Aber Totschlagargumente wie die oben genannten sind tabu.

Denn sie erwecken den Anschein, als könne man an der eigenen finanziellen Situation nie etwas ändern. Sie schaffen eine Mauer und ignorieren die Eigenverantwortung für ein erfülltes, finanziell zufriedenes Leben. Statt etwas zur finanziellen Verantwortung deines Kindes beizutragen, ersticken sie jegliche Kreativität und finanzielle Intelligenz im Keim.

Nutze stattdessen Sätze wie: „Das möchte ich jetzt nicht kaufen“, „Ich kaufe dir das jetzt nicht, weil ich das Geld lieber für etwas anderes ausgebe“, „Lass uns mal gemeinsam überlegen, wie du dir das leisten kannst …“.

Lass dein Kind selbst überlegen und unterstütze es. Die meisten Kinder haben ein Unternehmer-Gen in sich und sprudeln nur so vor kreativen Ideen. Schreibe alle Geistesblitze auf! Wenn sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegen, findet ihr zusammen sicher auch eine Möglichkeit, ein paar dieser Ideen umzusetzen.

#10 An das Interesse der Kinder anknüpfen

Kein Kind hat Spaß an trockenen Finanzvorträgen. Aber auch schon kleine Kinder können die Vorzüge des Sparens verstehen, wenn man an ihre eigenen Vorlieben anknüpft und ihr Interesse weckt. So hat es in meiner Familie funktioniert:

Mein Sohn möchte – wie viele andere 7-Jährige – am liebsten immer der Bestimmer sein. Zu sparen kam ihm bisher nicht in den Sinn. Und warum sollte er auch? Erst als ich ihm erzählte, dass derjenige, der sein Geld behält, in Zukunft der Bestimmer über sein Leben sein kann, und der, der viel davon ausgibt, nicht so viel selbst bestimmen kann, bekam er einen ganz neuen Blick auf Geld. So hat das Sparen für ihnen einen Sinn bekommen.

Denn umso mehr wir auf Konsum verzichten und sinnvoll investieren, desto eher erreichen wir die Freiheit, unser Leben so zu leben, wie es uns glücklich macht. Denn auch wir Erwachsene wollen Bestimmer sein: Bestimmer über unser eigenes Leben. Wer sich in Konsumschulden verliert, den treibt das Hamsterrad aus Arbeit und Rechnungen an. Selbstbestimmung sieht anders aus.

#11 Finanzbücher für Kinder lesen

Kinderbücher sind aktuell auf dem deutschen Markt leider noch Mangelware. Ein paar gibt es aber dennoch, die euren Kindern auf unterhaltsame Weise einen neuen Blick auf Geld geben:

 

Buch: Bodo Schäfer “Ein Hund namens Money”*  Kinderbuch zum Vorlesen ab 6 Jahren aufwärts

Buch: Robert Kiyosaki “Rich Dad, Poor Dad”* Für Teenager und größere Kinder geeignet

Buch: Nikolaus Piper “Felix und das liebe Geld”* Für Kinder ab ungefähr 10 Jahren

Buch: Hanno Beck, Juliane Schwoch : “Der große Plan”* Kinderbuch zum Vorlesen, ab circa 6 Jahren

Es gibt leider nicht so viele Finanzkinderbücher. Falls ihr zweisprachig seid, habt ihr in der anderen Sprache eventuell eine größere Auswahl.

#12 Die Kinder mit Erfolgsgeschichten motivieren

Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen zahlen sich aus. Wenn Kinder das früh lernen, fällt es ihnen später leichter, auch bei schwierigen Aufgaben nicht aufzugeben. Dadurch werden sie zu erfolgreichen Erwachsenen!

Ich persönlich schaue mir z. B. gerne Zusammenfassungen vom Triathlon „Iron Man“ auf Hawaii an. Dadurch wird mir immer wieder bewusst, dass nur derjenige ins Ziel kommt, der bei Unwägbarkeiten nicht aufgibt. Und der Gewinner ist immer derjenige, der alles gibt und bis zum Schluss kämpft. Mit all seiner körperlichen und mentalen Stärke.

Selbst einer der größten Erfinder aller Zeiten lehrt uns, dass Gewinner nicht aufgeben. Thomas Alva Edison hat nach 1000 erfolglosen Versuchen, eine marktreife Glühbirne zu entwickeln, gesagt: „Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühbirne baut.“ Hätte er nach dem 10. Versuch einfach aufgegeben, hätten sich Menschen sicher noch ein paar Jahre länger abends nur Kerzen anzünden können.

Nicht nur diese Erfolgsgeschichten helfen unseren Kindern, ihre Ziele zu verfolgen. Auch wie wir selbst mit Fehlern umgehen, prägt sie nachhaltig. Mit liebevoller Begleitung lassen sich Fehlentscheidungen gemeinsamen auswerten. Dadurch werden auch Misserfolge zu etwas Positivem: Aus jeder Situation können wir und unsere Kinder etwas lernen.

Schließlich hängt auch der Spar- und Investitionserfolg von unserem Durchhaltevermögen ab. An der Börse gibt es ein ständiges Auf und Ab. Und nur wenn wir beim Sparen über Jahre durchhalten, gelingt uns der Vermögensaufbau!

#13 Das Geld für sich arbeiten lassen

Die Zeit, in der wir arbeiten können, ist begrenzt. Der Tag hat nur 24 Stunden und dann gibt es noch Familie, Haushalt, Hobbys, Freunde usw., mit dem wir unsere Zeit verbringen wollen. Wie kann man also das Geldverdienen von seiner eigenen wertvollen Zeit abkoppeln?

Indem man Geld für sich arbeiten lässt, statt selbst für das Geld zu arbeiten. Passives Einkommen zu erzielen ist darum die Königsdisziplin beim Thema Finanzen. Wenn unsere Kinder lernen, wie man sein Geld so anlegt, dass sie frei über ihre Zeit verfügen können, gibt es keine finanziellen Grenzen.

Robert Kiyosaki bespricht in seinem Buch Rich Dad, Poor Dad: Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen* beispielsweise ganz ausführlich, wie man sein Arbeitseinkommen in passives Einkommen umwandeln kann.

#14 Verantwortung für die eigene Situation übernehmen

In welcher finanziellen Lage wir uns heute befinden, haben wir in der Regel unseren Entscheidungen in der Vergangenheit zuzuschreiben. Kein anderer hat die Verantwortung dafür, außer wir selbst.

Das mag manchmal frustrierend sein, gleichzeitig haben wir dadurch aber auch die Chance, unsere Zukunft aktiv zu gestalten. Denn die Entscheidungen, die wir heute treffen, bilden die Basis für unsere finanzielle Zukunft! Wenn du also in Zukunft mehr Geld haben willst, dann triff die richtigen Entscheidungen dafür in der Gegenwart.

Dein Kind kann genau das lernen: Übernimm die Verantwortung für deine Geldangelegenheiten selbst! Niemand – nicht der Staat, nicht wir als Eltern und auch nicht dein Arbeitgeber – kann etwas dafür, wie dein Kontostand in Zukunft aussieht. Das liegt allein bei dir. Beginn heute damit, deine Zukunft aufzubauen!

#15 Alles ist möglich

Wenn wir unsere Kinder immer wieder daran erinnern, dass wir täglich die Wahl haben, ob und wofür wir Geld ausgeben, wird ihnen ihre gestalterische Macht über ihr Leben bewusst: „Mit jedem Dollar, der durch unsere Hände geht, haben wir die Macht zu wählen, ob wir in Zukunft reich oder arm sein wollen“ (Rich Dad, Poor Dad*).

Wir selbst sind die Schöpfer der Welt, in der wir täglich leben. Um unsere Gesellschaft mitzugestalten, gibt es ein sehr wichtiges Mittel: Geld. Denn Geld ist mehr als eine Zahl auf dem Konto. Geld ist Energie: Ich entscheide täglich, wem ich diese Energie in welchem Maße zukommen lasse und welche Energien ich empfange. ALLES ist möglich.

#16 Kleine Kinder von Werbung fern halten und große Kinder für Marketing sensibilisieren

Jeden Tag flimmern unzählige Werbungen über die Bildschirme, die sich explizit an Kinder richten. Und auch Spielzeuggeschäfte, Supermärkte und Modemarken haben immer stärker die jüngste Zielgruppe im Blick.

Selbst mir fällt es immer mal wieder schwer, Versuchungen der Werbeglitzerwelt zu widerstehen. Erwachsene sind also nicht vor Marketing gefeit. Doch unsere Kinder haben wesentlich schwächere Abwehrmechanismen. Ihre Gehirne können die Flut der bunten Bilder und Verführungen noch gar nicht verarbeiten. Mit meinem Sohn entspannt durch ein Shoppingcenter schlendern? Fehlanzeige! Stattdessen leuchten ihn überall bunte, tolle Produkte an, die in ihm natürlich sofort den Effekt auslösen etwas haben zu wollen.

Trotzdem gibt es Möglichkeiten, die Kinder mit ihrem ganz persönlichen Adblocker auszurüsten. Das Stichwort heißt Aufklärung! Schon Erstklässler und Erstklässlerinnen können lernen, wie Werbung funktioniert. Und gleichzeitig können sie lernen, wie sie sie später für ihre eigenen Projekte nutzen. Was Quengelware im Supermarkt ist oder wo sich Werbung in YouTube-Videos befindet, kann man nicht früh genug anfangen zu erklären.

Ältere Kinder sollten unbedingt verstehen, dass es keinen Sinn macht, Konsumschulden aufzunehmen. Auch wenn ihnen die Werbung suggeriert, was sie alles besitzen „müssen“, um dazuzugehören.

#17 Ersparnisse dienen dazu, mehr Geld zu erwirtschaften

Schon Kinder können lernen, dass laufende Ausgaben und Konsumwünsche nicht von Ersparnissen bezahlt werden, sondern aus Einkünften. Den Besuch in der Eisdiele soll also nicht das Sparkonto finanzieren, sondern das laufende Taschengeld. Und spart die Oma monatlich etwas Geld für den späteren Führerschein, bleibt dieses Geld für Kino- oder Discobesuche tabu.

Diese Philosophie können wir unserem Kind natürlich nur vermitteln, wenn wir sie ihm vorleben. Selbst Extra-Ausgaben wie eine neue Waschmaschine, ein neues Auto, Reparaturen oder Urlaube bezahlen wir von unseren Einnahmen und bilden dabei laufend Rücklagen. So, dass wir im Alltag bei unvorhersehbaren Ausgaben nicht an unsere Ersparnisse müssen.

Ersparnisse auf Depots, in Bausparverträgen, in Immobilien oder auf Sparbüchern werden also für Rechnungen nicht angetastet! Dafür schaffen wir uns die Rücklagen.

Du hast noch Fragen dazu? Die dazugehörige Methode kannst du hier nachlesen: 10 Schritte, wie du als Mama finanziell frei wirst

#18 Gib nicht so viel auf die Meinung anderer Menschen

„Aber Mama, der Max hat das auch!!!“ Den Satz kennst du sicher von deinen Kindern. Es liegt in der Natur des Menschen, sich mit anderen zu vergleichen. Und oft sieht das Gras auf der anderen Seite grüner aus. Beim Schielen auf Nachbars Garten sollten wir jedoch nicht unsere eigenen Ziele und Wünsche aus den Augen verlieren. Es ist wichtig, sein eigenes Leben zu leben und nicht auf das zu hören, was andere wollen.

Ich versuche meinen Kindern deshalb beizubringen, dass wir nicht immer tun, was andere tun. Und weil für viele Leute finanzielle Bildung ein Fremdwort ist, kaufen wir auch nicht alles, was andere kaufen.

„Immer dann, wenn du dich auf dem Weg der Mehrheit wiederfindest, wird es Zeit, eine Pause zu machen und zu reflektieren!“ (Mark Twain)

Unsere Kinder dürfen ihren eigenen Weg finden. Keine der Tanten oder Omis, die Geld schenken, sagen: „Hier hast du was Kleines für deine Investments!“ oder „Spar dir was Schönes, mein Kind!“. Wenn es darum geht, den richtigen Umgang mit Geld zu lernen, ziehen wir die Bücher und Menschen zurate, die wissen, wie es geht.

Wie wenig weit verbreitet finanzielle Bildung ist, beschreibt Robert Kiyosaki:

„Wenn man hundert Menschen am Jahresbeginn jeweils 10.000 Dollar gäbe, hätte man am Jahresende folgende Ergebnisse: 80 von ihnen hätten keinen Cent mehr oder sogar noch mehr Konsumschulden gemacht, weil sie das Geld für eine Anzahlung für das neue Auto oder eine Urlaubsreise genutzt hätten. Sechzehn von ihnen hätten 10.000 Dollar um 5–10 % vermehrt und nur vier von ihnen hätten zwanzigtausend oder sogar Millionen daraus gemacht.“ (Rich Dad, Poor Dad*)

Auf welche dieser Menschen sollten wir hören, wenn sie uns Tipps zu unserem Leben geben? Ob beim Thema Erziehung, Investment oder ganz allgemein zum Lebensstil: Was Menschen tun oder sagen, die wir nicht als Vorbilder wahrnehmen, sollte uns herzlich egal sein.

#19 Helden und Heldinnen suchen

Helden und Heldinnen helfen uns, Ziele zu stecken und beharrlich darauf zuzugehen. Sie sind tolle Vorbilder, die wir im realen Leben nur selten oder vielleicht nie finden. Aus welchem Kosmos dein Kind seinen ganze persönlichen Helden oder seine Heldin findet, ist nicht entscheidend. Hauptsache, es kann sich mit seinem Vorbild identifizieren.

  • Mag dein Kind Sport? Seine Lieblingssportler und -sportlerinnen haben bestimmt schon einmal für ihre Ausrüstung gespart.
  • Arielle, die kleine Meerjungfrau, wäre wahrscheinlich eine begeisterte Flohmarktgängerin. Oder was würde sie davon halten, wenn sie wüsste, dass wir das ganze Plastik einfach wegschmeißen und die Fische im Meer dann davon Bauchweh bekommen?
  • Jedis sind nicht nur obercool, sondern auch Sparkünstler. Oder wer bezahlt sonst die ganzen großen Raumschiffe?

Kreativität ist alles! Finanzielle Bildung an Vorbilder zu knüpfen, erleichtert es uns und unseren Kindern, finanzielle Zusammenhänge ganz anschaulich zu machen.

#20 Das Sparschwein mit dem Ziel beschriften

Was hilft deinem Kind, wirklich dauerhaft zu sparen? Statt sich darauf zu fokussieren, was es jetzt gerade nicht kaufen kann, solltet ihr euren Blick auf das Ziel richten. Überlegt gemeinsam: Wie wird sich dein Kind fühlen, wie wird es ihm gehen, wenn es sein Ziel erreicht hat?

Da im Alltag langfristige Ziele schnell nicht mehr präsent sind, unterstützen Fotos und haptische Wegbegleiter dein Kind dabei, zielstrebig sein Ziel weiterzuverfolgen. Beispiel gefällig?

Mein Sohn spart gerade auf ein Geländewohnmobil. Ganz schön ambitioniert für sein Alter! Aber ich habe ihm Fotos von einem Wohnmobil für sein Sparschwein ausgedruckt und als Spielzeug bekommt er zum nächsten Geburtstag ein Geländewohnmobil von Playmobil. So bleibt ihm sein Ziel im Alltag präsent. Er verliert es nicht aus den Augen – auch dann nicht, wenn er seine Spardose mal wieder für Süßigkeiten plündern möchte. Und er hat jedes Mal Spaß, wenn er die Fotos sieht und mit seinem kleinen Wohnmobil spielt.

#21 Geld stinkt nicht

Obwohl Geld uns unsere Nahrung, unser Dach über dem Kopf, Sicherheit und schöne Erlebnisse ermöglicht, ist es in unserer Gesellschaft eher negativ konnotiert. Wenn wir die abgehobenen Reichen beobachten, die in der Welt herumfliegen und den ganzen Tag nichts zu tun haben, außer „Roooobert!!!“ zu schreien und sich die Zehennägel zu lackieren, stellt sich bei uns automatisch der Reflex ein, Geld mit Charakterschwäche gleichzusetzen.

Ein Realitätscheck hilft deinem Kind, Vorurteile gegenüber vermögenden Menschen abzubauen. Nicht alle Menschen sind reich durch Geburt. Viele kommen von ganz unten und haben sich selbst das erschaffen, was andere auch anstreben – und sind dabei sogar bodenständig geblieben. Ganz schön bewundernswert, oder?

Welche wohlhabenden Menschen kennt ihr und was kann dein Kind von ihnen lernen? Wie konnten sie sich ihr Vermögen aufbauen? Wie haben sie sich ihr Unternehmen aufgebaut? Von welchen ihrer Routinen könntet ihr als Familie vielleicht auch profitieren?

Wenn dir spontan kein finanzielles Vorbild aus deinem Umfeld einfällt, dann helfen dir auch die nächste Buchhandlung oder Veranstaltungen zu Finanzthemen. Sie erweitern deinen Horizont und du lernst Menschen kennen, die dich und dein Kind inspirieren.

#22 Ladet Geld in euer Leben ein, als wäre es ein guter Freund

Ein Freund kommt nicht gerne zu Besuch, wenn man schlecht über ihn redet, verbissen an ihm festhält oder ihn beschimpft. Das machst du nicht? Dann dürften dir Sprüche wie „Immer dieses blöde Geld“, „Geld ist nicht so wichtig im Leben“, „War ja nur Geld“ ganz unbekannt vorkommen … Oder?

Gerne zu Besuch kommt ein Freund, wenn man ihn mit offenen Armen empfängt und ihm, wenn er anklopft, nicht die Tür vor der Nase zuschlägt. Er freut sich, wenn man ihn freundlich grüßt und ihm ein Heim bietet, in dem er sich wohlfühlt.

Öffnet ihr eure Türen und Köpfe, lernt auch dein Kind, jeden Euro wertzuschätzen und gerne auf das eigene Konto zu schauen.

#23 Ein gutes Vorbild sein

Das Wichtigste zum Schluss: Die besten Erziehungstipps zur Finanzbildung helfen nichts, wenn ihr euren Kindern einen verantwortungslosen Umgang mit Geld vorlebt oder das Thema aus eurem Alltag ausklammert. Sind Mama, Papa und andere Bezugspersonen hingegen selbst an Finanzen interessiert, lernen die Kinder den Umgang damit ganz selbstverständlich: Finanzielle Bildung gehört zum Alltag.

Auch Geld zu sparen, sollten wir als Eltern vorleben. Wenn Sparen zum Alltag dazugehört, verinnerlichen die Kinder dieses Verhalten und übernehmen es als Erwachsene, ohne sich dazu zwingen zu müssen. Es bildet sich ein Automatismus.

Aber Vorsicht, auch einseitige Rollenbilder werden schnell übernommen. Wenn sich immer nur Papa ums Geld kümmert, wird mit großer Wahrscheinlichkeit später auch die Tochter eine eher passive Rolle bei Finanzthemen einnehmen und ihrem Mann das Thema überlassen. Rollenbilder vererben sich von Generation zu Generation weiter, wenn sie nicht reflektiert werden.

 

Welche Tipps ihr auch beherzigt, ein Gedanke verbindet alle 23 Ansätze: Statt mit erhobenem Zeigefinger Kinder zur Auseinandersetzung mit Finanzthemen zu ermahnen, soll der Umgang mit dem eigenen Geld Spaß machen! Die eigenen Finanzen selbstständig zu organisieren gibt Kindern Freiheit und bestätigt sie in ihrem Streben nach Autonomie!

 

Hat dir der Artikel gefallen? Dann teile ihn doch – im Sinne von #8 – mit anderen! Welchen der 23 Punkte findest du besonders wichtig? Oder hast du noch mehr Ideen, um Kinder an ein finanziell unabhängiges Leben heranzuführen? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar!

 

Du brauchst noch mehr Input, um deinem Kind zu einem erfolgreichen Leben zu verhelfen? Für den Artikel habe ich das Buch „Rich Dad, Poor Dad“ von Robert Kiyosaki aufgegriffen. Wenn du es lesen möchtest, kannst du es dir hier* bestellen.

 

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10 Kommentare

  1. Jens 29. März 2018 um 15:56 Uhr - Antworten

    Ich bin selber Familienvater und finde daher diese Tipps absolut hilfreich! Vor allem der Punkt “Helden suchen” gefällt mir, weil ansonsten Ninjas und Barbies das Geschehen bestimmen…

    • babsistgruen 3. April 2018 um 12:54 Uhr - Antworten

      Hallo Jens, danke für deine Rückmeldung.
      Bei uns sind es Ninjas und Anna und Elsa 😉

  2. Theresa 28. April 2019 um 15:11 Uhr - Antworten

    Ich bin ganz deiner Meinung, dass Kinder ruhig bei so machen Bank oder Versicherungsgespräch dabei sein sollten. Solche Termine sollten keine “Angsttermine” sein sondern ganz einfach zu unserem und dem Alltag unserer Kinder dazu gehören. In unserer alten Bankfiliale durfte unsere kleine Tochter immer mit einer dort vorhandenen großen Spielzeugkiste spielen. Es hat unseren Bankberater auch nicht gestört, dass sie manchmal an dem Gespräch lautstark “teilnahm”.

    • Babett Gruen 17. Januar 2020 um 12:54 Uhr - Antworten

      Hey Theresa, danke für den Einblick in eure Banktermine.
      Ich denke auch, man sollte sie ab einem gewissen Alter einfach mitnehmen und dann sehr auf die eigene Haltung und Kommunikation achten. Die Kinder lernen ja durch unser Verhalten im Alltag. Sie schauen sich ab, wie wir mit bestimmten Situationen umgehen.
      Liebe Grüße

  3. Daniel 14. Januar 2020 um 16:51 Uhr - Antworten

    Schöner Artikel!
    Spiele mit meinen Jungs regelmässig Monopoli. Eine gute Möglichkeit anschaulich zu zeigen wie Geld, das vorher schön auf einem Haufen lag, langsam aber sicher zu denen umverteilt wird, die die Sachwerte besitzen 😉

    • Babett Gruen 17. Januar 2020 um 12:51 Uhr - Antworten

      Hey Daniel, ich hab ewig nicht Monopoli gespielt! Ich muss es mit meinem großen Sohn mal bald spielen.
      Danke für die Erinnerung!
      Robert Kiyosakis Kids Spiel soll ja auch toll sein.

  4. Norman Schmidt 29. August 2020 um 23:55 Uhr - Antworten

    Besonders die eigenen Glaubenssätze sind der Schlüssel… Wenn wir unsere eigenen Glaubenssätze im Bezug auf Geld nicht ändern, wie sollen wir dann die Richtigen an unsere Kinder weitergeben??? Auch mir haben hier die Bücher von Bodo Schäfer und Robert Kiyosaki die Augen geöffnet. Wirklich empfehlenswert. Leider fallen oftmals die sog. B-Promis mehr auf wie die “normalen” wohlhabenden Menschen. Da stimme ich Ihnen vollkommen zu… Den “Rooobert” kennt, glaube ich, fast jedes Kind… Aber welches Kind kennt Bodo Schäfer, Alex “Duesseldorf” Fischer, Robert T. Kiyosaki, Dirk Kreuter oder gar den “Investment-Punkt” Gerald Hörhan???

    • Babett Gruen 25. September 2020 um 16:49 Uhr - Antworten

      Hey Norman, ja das ist ein guter Punkt. Da können wir nur als Eltern die Prioritäten anders setzen: Eben hin zum Bücher lesen, weg vom Fern schauen.
      Wir haben z.B.keinen Fernseher. Ich sehe Sendungen, wie die, die “Rooobert,…” thematisieren als Zeitverschwendung an.
      Wie macht ihr das zuhause?

  5. Torsten 12. September 2020 um 22:06 Uhr - Antworten

    Hallo Babett,
    danke für die gelungene Zusammenstellung.
    Ich halte den 5. Punkt für außerordentlich wichtig. Sparsam mit dem Taschengeld umzugehen ist der richtige Start. Wenn man es dann noch schafft, den Kindern zu vermitteln, dass diese Ersparnisse auch noch sinnvoll investiert werden und sie nicht nur in der Spardose oder auf dem Sparbuch schlummern sollten, dann sind die Kinder in ihrer Bildung schon weiter als viele Erwachsene in Deutschland. Unseren aktuellen Finanzminister schließe ich dabei mit ein 😉

    Viele Grüße,
    Torsten

    • Babett Gruen 25. September 2020 um 16:51 Uhr - Antworten

      Hallo Torsten, danke.
      Es freut mich sehr, wenn dir mein Artikel gefällt.
      Unseren aktuellen Finanzminister lassen wir hiermit mal unter den Tisch fallen, denn dazu mag ich gar nichts sagen (Hände über dem Kopf zusammenschlagend) 😉
      Herzliche Grüße zu dir

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